Holzhausenkonzerte – Streichquartetttage<br>Konzert mit dem Mandelring Quartett

Holzhausenkonzerte – Streichquartetttage
Konzert mit dem Mandelring Quartett
Am Mittwoch, 12. Dezember 2018, 19.30 Uhr
Mandelring Quartett © Uwe Arens

Diese Veranstaltung ist bereits vorüber.

(1814. Bürgerkonzert)


Sebastian Schmidt Violine
Nanette Schmidt Violine
Andreas Willwohl Viola
Bernhard Schmidt Violoncello


Georges Onslow (1784 – 1853)
Streichquartett Nr. 7 g-Moll op. 9/1 (“God save the king”)
Fernand de la Tombelle (1854 – 1928)
Streichquartett E-Dur op. 36
Claude Debussy (1862 – 1918)
Streichquartett g-Moll op. 10

Drei französische Komponisten finden sich auf dem heutigen Programm: zwei recht unbekannte Namen, George Onslow und Fernand de la Tombelle, sowie einer der berühmtesten Vertreter der französischen Musik überhaupt: Claude Debussy. Das Mandelring Quartett versichert: Der „kammermusikalische Blick“ in unser Nachbarland lohnt sich in jeder Hinsicht:
George Onslow (1784-1853) lebte als wohlhabender Mann in Clermont und war seinerzeit unter Musikern sehr geschätzt und weithin anerkannt. Er wurde immerhin als der „französische Beethoven“ oder „Beethoven der Auvergne“ bezeichnet. Schüler von Anton Reicha, war er einer der führenden Komponisten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und wurde in einem Atemzug mit Schumann und Mendelssohn genannt. Das Streichquartett g-Moll op.9 Nr.1 ist ein schönes Beispiel für Onslows musikalische Sprache und weist eine Besonderheit auf: nach einem stringent und frisch daherkommenden ersten Satz erklingt ein schön ausgearbeiteter Variationensatz, dem das Thema „God save the King“ zu Grunde liegt, eine Parallele zum sogenannten „Kaiserquartett“, in welchem Joseph Haydn die Hymne „Gott erhalte Franz den Kaiser“ verarbeitet.
Auf der Suche nach weiteren Trouvaillen in den „Randgebieten“ der französischen Kammermusik stieß das Mandelring Quartett vor einigen Jahren auf Fernand de la Tombelle (1854-1928). De la Tombelle erlernte das Klavierspiel im frühen Kindesalter und nahm ab seinem achtzehnten Lebensjahr Orgelunterricht. Er wurde Organist und hatte im Anschluss an seine Studien eine Karriere, die ihn in ganz Frankreich bekannt machte. Am Pariser Conservatoire studierte er zudem Komposition und wurde unter anderem vom berühmten César Franck unterrichtet. Das Streichquartett E-Dur op.36 ist seinem Freund und Kollegen Vincent d’Indy gewidmet. Das viersätzige Werk ist ein von romantischen Stimmungen geprägtes, äußerst interessantes, klangsinnliches und packendes Werk. Ein schwelgerisch strahlender, mit langsamer Einleitung versehener Kopfsatz wird gefolgt von einem elegant dahingleitenden Scherzo von fast Mendelssohnscher Qualität. Insbesondere gefällt der langsame Satz, der lyrisch und ausdrucksvoll mit exquisiter melodischer und harmonischer Erfindung aufwartet und als zentraler Satz dem Werk Ausdruck und Tiefe verleiht. Das lebendige, von punktierten Rhythmen geprägte Finale schließt das Werk furios und dramatisch in größter Intensität.
Über eines der berühmtesten Werke Claude Debussys (1862-1918) zu schreiben, sein leider einziges Streichquartett, ist einerseits nicht leicht, denn vieles ist gesagt und geschrieben worden. Andererseits helfen vielleicht aber doch ein paar Worte aus Sicht des Künstlers dazu, Ohren zu öffnen um die Tiefe der Musik wahrnehmbar zu machen. Das Erleben des Hörers ist in diesem höchst originellen musikalischen Kosmos ein völlig anderes als bei der bis dahin gewohnten klassischen oder romantischen Kammermusik: Debussy komponiert indem er quasi mit Tönen malt. Es entsteht seine eigene, neue und bis dahin unbekannte musikalische Sprache: Er schafft Tonmalerei mit Klangfarben, die sich vergleichbar in der impressionistischen Malerei der Zeit finden. Debussy schreibt vier Sätze, die trotz ihrer durch Verwendung eines gemeinsamen Kernthemas erreichten Einheit unterschiedlicher nicht sein könnten. Er nutzt verschiedenste Spieltechniken, folkloristische Elemente und eine Vielzahl bis dahin völlig unbekannter streichinstrumentaler Klangfarben und Harmonien, um ein ungemein buntes Klanggemälde auszubreiten, welches die Zeit sowohl beim Spielen als auch beim Hören verfliegen lässt. (Sebastian Schmidt)

Projektleitung: Frankfurter Bürgerstiftung
Förderer: Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, Freundes- und Förderkreis der Frankfurter Bürgerstiftung

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