Frankfurter Streichquartettfestival - 250 Jahre Ludwig van Beethoven<br>Konzert mit dem Vogler Quartett

Frankfurter Streichquartettfestival - 250 Jahre Ludwig van Beethoven
Konzert mit dem Vogler Quartett
Am Freitag, 20. November 2020, 19.30 Uhr
Vogler Quartett © Özgür Albayrak
Evangelische Festeburgkirche (An der Wolfsweide 58, 60435 Frankfurt am Main)

„Zusammengefaßter, energischer, inniger habe ich noch keinen Künstler gesehen.“
(Johann Wolfgang von Goethe über Ludwig van Beethoven)

(1892. Bürgerkonzert)


Tim Vogler Violine
Frank Reinecke
Violine
Stefan Fehlandt
Viola
Stephan Forck
Violoncello

Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Streichquartett Nr. 6 in B-Dur op. 18,6
Streichquartett Nr. 16 in F-Dur op. 135
Streichquartett Nr. 8 in e-Moll op. 59,2

Individualität, die sich im Gemeinsamen entfaltet – hier liegt wohl das Geheimnis des Vogler Quartetts, das seit 1985 in unveränderter Besetzung weltweit konzertiert.

Den Beginn der Karriere bildet der Gewinn des Streichquartett-Wettbewerbs in Evian 1986, dem Konzerte in den europäischen Musikzentren sowie in Nordamerika, Japan, Australien und Neuseeland folgten.  Eigene Konzertreihen in Berlin und Neubrandenburg, die künstlerische Leitung zweier Kammermusikfestivals im irischen Sligo und in Homburg/ Saar, Meisterkurse sowie Professuren der Mitglieder in Frankfurt, Leipzig, Stuttgart und Berlin runden die vielfältigen Tätigkeitsbereiche ab. Die Diskographie umfasst mehr als 20 Einspielungen in Quartettbesetzung und erweiterten Formationen. 

Die langsame Einleitung zum Finale des Streichquartetts B-Dur op. 18,6 hebt das Werk aus der gesamten Werkgruppe heraus. Überschrieben mit ‚La Malinconia‘ und von eindringlicher Stimmung wirkt sie fast wie ein eigenständiger Satz. Darauf folgt ein ausgelassenes Presto Finale. Der erste Satz stellt ein Hauptthema haydn‘scher Prägung einem liedhaften Seitenthema gegenüber. Haydns Geist findet sich auch im Scherzo mit vielen rhythmischen und motivischen Überraschungen. Der langsame Satz steht an zweiter Stelle und ist ein filigranes Arioso.

Der Musikwissenschaftler Arnold Werner-Jensen bemerkte zum Streichquartett F-Dur op. 135, es ziehe „auf unauffällige, unaufwendige und doch kunstvolle Weise Bilanz.“ Er spricht von einer „stillen, fast abstrakten Heiterkeit“ und schreibt weiter „dass Beethoven sich sehr bewusst war, hier sein letztes Wort in dieser Gattung zu sagen“.  Tatsächlich handelt es sich hier um das letzte abgeschlossene Werk des Meisters. Waren die vorangegangenen späten Quartette op. 130, 131 und 132 allesamt groß dimensioniert und experimentell, kehrt Beethoven hier zur Viersätzigkeit zurück. Auch ist das Werk klanglich transparenter komponiert. Der berühmteste Satz ist das Finale, überschrieben mit ‚Der schwer gefaßte Entschluß‘ mit der Frage in f-moll ‚Muß es sein?‘  und der F-Dur-Antwort ‚Es muß sein, Es muß sein‘. Dies sind die beiden Themen des Satzes. Der Hintergrund dieser Motive ist vermutlich einerseits die persönliche Situation Beethovens am Ende seines Lebens. Möglicherweise plausibler ist anhand der musikalischen Faktur des in weiten Teilen heiteren letzten Satzes eine Deutung als „die letzte Pointe eines großen Humoristen“ (s. Kammermusikführer Villa Musica).

Der Kopfsatz des ebenfalls dem Grafen Rasumowsky gewidmeten Streichquartetts e-moll op. 59,2 setzt ganz auf sinfonische Techniken und wird von ausgedehnten Durchführungspassagen beherrscht. Die Tonart e-moll ist eine Besonderheit und wurde damals selten verwendet. Der zweite Satz, ein Adagio in E-Dur, ist das emotionale Zentrum des ganzen Werkes, er erzeugt eine fast sakrale Stimmung.  In der Mitte des Satzes taucht als wichtiger Baustein an prominenter Stelle das Motiv b-a-c-h im Violoncello auf. Das Trio des kapriziösen Scherzos zitiert ein russisches Thema, das später auch von Mussorgsky im „Boris Godunov“ und Anton Arensky in seinem Streichquartett mit zwei Violoncelli verwendet wird. Das Finale ist ein mitreißendes, temperament- und effektvolles Rondo. 

 
Eintritt € 30,-
Gesamtleitung: Frankfurter Bürgerstiftung
Förderer: Freundes- und Förderkreis der Frankfurter Bürgerstiftung
Kooperationspartner: Evangelische Festburggemeinde

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserem Newsletter!